Diese Studie verglich erstmals Nahtoderfahrungen (NTEs) und psychedelische Zustände innerhalb derselben 31 Personen. Beide teilen einen mystischen Kern (Einheit, Seligkeit, Einsicht), unterscheiden sich jedoch: NTEs zeigen stärkere Körperlosigkeit, Psychedelika intensivere visuelle Bilder. NTEs reduzieren die Todesangst signifikant stärker. Die Befunde legen nahe, dass Psychedelika den transzendenten Kern von NTEs wissenschaftlich modellierbar machen.
Eine wegweisende Intrasubjektstudie zeigt: Nahtoderfahrungen und psychedelische Zustände teilen denselben mystischen Kern — und unterscheiden sich auf eine neurologisch aufschlussreiche Weise.
Basierend auf Forschung von Charlotte Martial, Robin Carhart-Harris & Christopher Timmermann · Université de Liège & Imperial College London · Veröffentlicht 2024
Was geschieht an der Grenze des Todes? Jahrtausende lang gehörte diese Frage der Theologie und Philosophie. Heute deutet eine wachsende wissenschaftliche Evidenz darauf hin, dass die Antwort zum Teil in einem Pilz liegen könnte. Eine 2024 in der Fachzeitschrift Neuroscience of Consciousness veröffentlichte Studie von Charlotte Martial, Robin Carhart-Harris und Christopher Timmermann legt den ersten quantitativen Intrasubjektvergleich zwischen Nahtoderfahrungen (NTEs) und psychedelischen Erfahrungen (PEs) vor — und befragt Menschen, die beide Zustände aus eigenem Erleben kennen. Die Ergebnisse sind außergewöhnlich: Beide Erfahrungen teilen einen tiefen mystischen Kern, der sich statistisch nicht unterscheiden lässt, während sie sich in spezifischen sensorischen Dimensionen voneinander abheben und damit das Verständnis der Neurologie des Bewusstseins erhellen.
Zwischen vier und acht Prozent der Bevölkerung haben eine Nahtoderfahrung erlebt — einen lebendigen, subjektiven Zustand während eines lebensbedrohlichen Ereignisses, der typischerweise von Friedensgefühlen, Licht, Einheit, Begegnungen mit Wesenheiten und einem veränderten Selbst- und Zeiterleben geprägt ist. Jahrzehntelang haben Forschende anekdotisch festgestellt, dass diese Berichte den Beschreibungen von Hochdosis-Psychedelikaerfahrungen ähneln. Raymond Moodys Bestseller Leben nach dem Tod (1975) popularisierte diese Parallele erstmals. Der wissenschaftliche Vergleich blieb jedoch indirekt: Studien verglichen stets verschiedene Gruppen von Menschen — NTE-Überlebende auf der einen, Psychedelikanutzer auf der anderen Seite — was keine verlässliche Aussage darüber erlaubte, ob die Ähnlichkeiten eine echte Überlappung im Erleben widerspiegeln oder lediglich ähnliche Sprache für grundlegend verschiedene Zustände.
Martial und Kolleginnen lösten dieses methodische Problem mit einer eleganten Lösung: Sie rekrutierten ausschließlich Personen, die beide Erfahrungen gemacht hatten. Dieses Intrasubjektdesign — selten und logistisch anspruchsvoll — eliminiert die Störvariablen, die Gruppenvergleiche belasten. Dieselbe Person, die aus persönlicher Erinnerung auf beide Zustände zurückblickt, wird zur eigenen Kontrollbedingung.
Einunddreißig Erwachsene erfüllten die strengen Einschlusskriterien: eine klinisch validierte NTE (mit einem Punktwert oberhalb des Schwellenwerts auf der NDE-Content-Skala, was einen lebensbedrohlichen Kontext belegt) sowie eine klassische psychedelische Erfahrung mit LSD, Psilocybin oder Zauberpilzen, Ayahuasca, DMT oder Mescalin. Die Rekrutierung erfolgte über soziale Medien, lokale Medien sowie die Netzwerke der Coma Science Group an der Universität Lüttich und des Centre for Psychedelic Research am Imperial College London.
Die Stichprobe hatte ein Durchschnittsalter von 41 Jahren und war überwiegend männlich (74 %). Die meisten Teilnehmenden hatten umfangreiche Erfahrungen mit Psychedelika: Mehr als die Hälfte hatte psychedelische Substanzen mehr als zwanzigmal konsumiert. Entscheidend ist, dass die Mehrheit (24 von 31) ihre NTE vor der ersten Psychedelikaerfahrung erlebt hatte — was nahelegt, dass die psychedelischen Erwartungen nicht einfach eine Projektion eines bereits gelebten Todesnahe-Narrativs auf eine Drogenerfahrung waren, wenngleich die Autoren dies als potenziellen Confounder benennen.
Jede Person füllte eine Batterie validierter Instrumente für beide Erfahrungen aus — und bewertete dabei Phänomenologie, Gedächtnisqualität, psychologische Einsicht und dauerhafte Auswirkungen. Die Forschenden setzten sowohl klassische frequentistische Statistiken als auch bayesianische Analysen ein, die besonders geeignet sind, um Überlappungen statt nur Unterschiede zu erfassen — da sie die Evidenzstärke für die Nullhypothese quantifizieren können.
Als die Teilnehmenden ihre NTE und PE auf einer umfassenden Phänomenologieskala bewerteten, waren die Überlappungen substanziell und in mehreren Dimensionen eindeutig. Die bayesianische Analyse — die Evidenzstärke misst statt nur statistische Signifikanz festzustellen — fand starke oder substanzielle Unterstützung für die Nullhypothese (d.h. keinen bedeutsamen Unterschied) im sogenannten Cluster der „ozeanischen Grenzlosigkeit“: Einheitserfahrung, spirituelles Erleben, Seligkeit und Einsichtsfähigkeit. Diese vier Dimensionen, die zusammen das ausmachen, was viele Traditionen und Forschende als „mystische Erfahrung“ bezeichnen, waren zwischen NTE und psychedelischem Zustand statistisch nicht zu unterscheiden.
Weitere Merkmale mit starker Überlappung umfassten Veränderungen der Zeitwahrnehmung, ein tiefes Gefühl von Frieden und Wohlbefinden, die Erfahrung hellen Lichts, präkognitionsartige Zustände, eine Lebensrückschau, das Gefühl, die irdische Welt zu verlassen, sowie ein Gefühl der Nicht-Existenz oder Leere. Das Auftreten jedes dieser Merkmale wurde bei beiden Erfahrungstypen in vergleichbarer Häufigkeit gemeldet. Was das phänomenologisch bedeutet: Der transzendente Kern der Nahtoderfahrung — jener Teil, der über Jahrhunderte religiöse Bekehrungen ausgelöst, Todesangst aufgelöst und Weltanschauungen verwandelt hat — ist auch genau der Teil, den Psilocybin und LSD zuverlässig erzeugen.
„Die Phänomenologie beider Erfahrungen teilt sogenannte mystisch-ähnliche Merkmale, während sie sich in sensorischen unterscheidet.“
Dieser Befund hat weitreichende theoretische Implikationen. Wenn der mystische Gehalt von Nahtoderfahrungen pharmakologisch modelliert werden kann — gezielt herbeigeführt, unter kontrollierten Bedingungen erforscht und möglicherweise therapeutisch gelenkt —, dann wird das Psychedelikum zu einem wissenschaftlichen Instrument zur Erforschung dessen, was historisch die philosophisch aufgeladenste menschliche Erfahrung war: die Konfrontation mit Tod und Transzendenz.
Die Nuance der Studie liegt ebenso in ihren Unterschieden wie in den Überlappungen. Auf der sensorischen Ebene unterschieden sich beide Erfahrungen deutlich. Mit der 11-Dimensionalen Skala veränderter Bewusstseinszustände (11-ASC) stellten die Forschenden fest, dass NTEs signifikant höhere Werte bei Körperlosigkeit erzielten — dem Gefühl, den Körper zu verlassen, sich von außen zu beobachten oder die körperliche Verankerung vollständig zu verlieren. Psychedelische Erfahrungen zeigten dagegen deutlich höhere Werte bei elementaren Bildern, komplexen Bildern und veränderter Bedeutung von Wahrnehmungen — die reichen visuellen Halluzinationen, geometrischen Mustern, symbolischen Transformationen und der gesteigerten Bedeutsamkeit visueller Eindrücke, die für klassische psychedelische Rauschzustände charakteristisch sind.
Diese Dissoziation entspricht genau dem, was wir neurologisch wissen. Außerkörperliche Erfahrungen bei NTEs betreffen wahrscheinlich Mechanismen der temporo-parietalen Verbindungsregion und die Störung multisensorischer Körperintegration — Prozesse, die beim Herzstillstand oder bei schwerer physiologischer Krise destabilisiert werden. Klassische serotonergische Psychedelika hingegen aktivieren über 5-HT2A-Rezeptor-Agonismus stark die visuelle Kortexverarbeitung und erzeugen dabei aufwändige innere Bilder, die NTEs charakteristischerweise fehlen.
DimensionNTEPsychedelikumBefundEinheitserfahrungHochHochÜberlappung ✓Spirituelles ErlebenHochHochÜberlappung ✓SeligkeitHochHochÜberlappung ✓EinsichtsfähigkeitHochHochÜberlappung ✓KörperlosigkeitHöherNiedrigerNTE dominiertVisuelle BilderNiedrigerHöherPsychedelikum dominiertAngstMittelMittelÜberlappung ✓KontrollverlustMittelMittelÜberlappung ✓SterbegefühlHöherNiedrigerNTE dominiert
Die Autoren legen nahe, dass dieses Muster aus Überlappungen und Divergenzen dabei helfen könnte, zu identifizieren, welche Psychedelika die NTE am besten modellieren. Klassische serotonergische Psychedelika wie Psilocybin und LSD erzeugen ausgeprägte visuelle Effekte, die NTEs weitgehend fehlen. Atypische Psychedelika — insbesondere das dissoziative Ketamin und der κ-Rezeptor-Agonist Salvinorin A — erzeugen stärkere Körperlosigkeitseffekte, die dem NTE-Profil näherkommen. Und 5-MeO-DMT, ein Tryptamin mit deutlich weniger visuellen Halluzinationen, aber intensiver Ich-Auflösung und ozeanischer Einheit, bietet möglicherweise die pharmakologisch engste Annäherung an die NTE, über die die Wissenschaft derzeit verfügt. Bemerkenswert ist, dass kein Teilnehmender dieser Studie 5-MeO-DMT verwendet hatte — was die Autoren als wichtigen Forschungsbereich für die Zukunft benennen.
Einer der philosophisch reichhaltigsten Befunde der Studie betrifft die Zuschreibung von Realität. Die Teilnehmenden wurden sowohl zum Zeitpunkt der Erfahrung als auch rückblickend gefragt, ob sie die Erfahrung für „real“ hielten — auf einer Skala von „vollständige Halluzination“ bis „realer als das tägliche Leben“. Die Ergebnisse stellen jede einfache Ablehnung beider Zustände als bloße subjektive Fantasie in Frage.
Zum Zeitpunkt der NTE bewerteten 81 % der Teilnehmenden die Erfahrung als realer als das tägliche Leben. Bei psychedelischen Erfahrungen lag dieser Wert bei 74 %. Rückblickend beurteilten 74 % die NTE weiterhin als realer als die gewöhnliche Realität, und 68 % hielten dieselbe Ansicht über ihre psychedelische Erfahrung aufrecht. Lediglich 6 % klassifizierten ihre NTE nachträglich als Halluzination oder Einbildung; 19 % sagten dasselbe über ihre PE.
Diese Qualität — was Religionsphilosophen den „noetischen“ Charakter mystischer Erfahrung genannt haben, ein Gefühl, echten Einblick erlangt zu haben statt bloßer Illusion — war zwischen beiden Zuständen statistisch nicht zu unterscheiden. Beide Erfahrungen fühlten sich an — und fühlen sich weiterhin an — als realer als das Wachleben. Die Autoren vermuten, dass genau diese gemeinsame noetische Qualität beiden Erfahrungen ihre dauerhafte transformative Kraft verleiht: Einsichten, die sich unvermittelt und gewiss anfühlen, halten an und formen das Verhalten in einer Weise, wie es Erfahrungen, die als „nur ein Traum“ kodiert werden, nicht tun.
Die Gedächtnisqualität bestätigte dieses Muster. Mit dem Memory Characteristics Questionnaire fanden die Forschenden keinen signifikanten Unterschied in Reichhaltigkeit, Lebendigkeit, emotionaler Intensität oder dem Gefühl des Wiedererlebens zwischen NTE- und Psychedelikaerinnerungen — mit starker bayesianischer Evidenz für diese Überlappung. Beide Erinnerungstypen wurden im Vergleich zu Normen des gewöhnlichen autobiografischen Gedächtnisses außerordentlich hoch bewertet, was darauf hindeutet, dass beide Zustände Erfahrungen erzeugen, die als bedeutsamste des Lebens abgespeichert werden.
Die Studie untersuchte auch die langfristigen psychologischen Auswirkungen beider Erfahrungen — und hier zeigt sich ein Bild breiter Gleichwertigkeit, durchbrochen von bedeutenden Unterschieden. Sowohl NTEs als auch psychedelische Erfahrungen erzeugten vergleichbare Effekte auf den Lebensstil, die Weltanschauungen, die Überzeugungen von kosmischer Verbundenheit, die reduzierten Sorgen und Ängste, die Erweiterung der mentalen Bewusstheit sowie das Gefühl persönlicher und spiritueller Bedeutsamkeit.
Drei signifikante Unterschiede traten jedoch zutage. Der erste: Psychedelische Erfahrungen bewirkten eine signifikant stärkere Verschiebung hin zu Offenheit, Freundlichkeit und Verbundenheit mit anderen Menschen — was man als prosozialen Effekt bezeichnen könnte. Dies deckt sich mit bestehender Forschung, die zeigt, dass Psilocybin zuverlässig Maße von Offenheit und emotionaler Wärme steigert. NTEs, obwohl ebenfalls lebensverändernd, scheinen weniger konsistent mit dieser interpersonellen Wärmedimension zu verknüpft zu sein.
Der zweite Unterschied ist vielleicht der eindrucksvollste: NTEs übertrafen psychedelische Erfahrungen dramatisch in der Reduktion der Todesangst, wobei die bayesianische Analyse starke Evidenz für diesen Unterschied lieferte. Teilnehmende, die der echten Sterblichkeit begegnet waren, zeigten eine qualitativ andere Beziehung zum Tod als jene, die auch die intensivste psychedelische Reise unternommen hatten. Die Autoren vermuten, dass dies mit dem unwillkürlichen und unmissverständlichen Charakter der NTE zusammenhängen könnte — wenn man tatsächlich erfahren hat, knapp dem Tod entronnen zu sein, trägt die Wahrnehmung des Todes als Übergang statt als Vernichtung eine körperliche Überzeugungskraft, die eine pharmakologisch induzierte Simulation, so überzeugend sie im Moment sein mag, möglicherweise nicht vollständig replizieren kann.
„Die NTE führte dazu, dass Personen weniger Angst vor dem Tod berichteten — unterstützt durch starke Bayesianische Evidenz — im Vergleich zur psychedelischen Erfahrung.“
Der dritte Unterschied war subtiler: NTEs wurden insgesamt als negativ auf das Leben wirkend bewertet. Dies spiegelt wahrscheinlich die traumatischen Umstände wider, unter denen NTEs auftreten — Unfälle, Herzstillstand, medizinische Notfälle — und nicht die Erfahrung selbst, die überwältigend als friedvoll und tiefgründig beschrieben wurde. Der Nachklang, beinahe zu sterben, trägt psychisches Gewicht, das über die inneren Qualitäten der Erfahrung hinausgeht.
Die Implikationen dieser Forschung erstrecken sich gleichzeitig in mehrere Richtungen. Für die Bewusstseinswissenschaft liefert die Studie die bisher direkteste Evidenz dafür, dass die mystischen Merkmale von Nahtoderfahrungen — lange mit wissenschaftlichem Argwohn behandelt aufgrund ihrer scheinbar metaphysischen Behauptungen — pharmakologisch modelliert, erforscht und möglicherweise therapeutisch genutzt werden können. Psychedelika werden damit nicht nur zu therapeutischen Werkzeugen, sondern zu Bewusstseinsforschungsinstrumenten, die ein Maß an experimenteller Kontrolle über Zustände bieten, die zuvor nur spontan und gefährlich entstanden.
Für die psychedelische Medizin verleihen die Befunde der Hypothese Gewicht, dass der therapeutische Mechanismus der Psilocybintherapie — seine Kraft, Depression, Angst, Sucht und existenzielle Not zu reduzieren — über denselben mystisch-erfahrungsbezogenen Weg verläuft, den NTE-Überlebende spontan berichten: eine Neustrukturierung der Beziehung zu Selbst, Zeit, Tod und Bedeutung. Die Überlappung bei den psychologischen Einsichtswerten zwischen beiden Erfahrungen, ohne signifikanten Unterschied in der Tiefe gewonnener Erkenntnisse oder adoptierter Verhaltensänderungen, unterstützt die Idee, dass es sich um konvergente Wege zu ähnlichen Transformationen handelt.
Für jene, die persönlich von Nahtoderfahrungen berührt wurden — eine auf weltweit zig Millionen geschätzte Population — bietet die Forschung eine andere Art von Bestätigung. Der Zustand, den sie durchlebten, war keine Halluzination im abwertenden Sinn, kein Hirntod-Artefakt, der zu pathologisieren wäre. Er war ein echter veränderter Bewusstseinszustand, strukturell vergleichbar mit Erfahrungen, in deren Erforschung Forschende nun erhebliches wissenschaftliches und therapeutisches Kapital investieren. Ihre Berichte über die Begegnung mit Einheit, Licht, Frieden und einer verwandelten Beziehung zum Tod sind keine Konfabulationen sauerstoffarmer Neuronen — oder wenn doch, teilen sie dieses neurologische Substrat mit Erfahrungen, die nun in Phase-II- und Phase-III-klinischen Studien als Behandlung für Depression und existenzielle Todesangst erprobt werden.
Die Autoren gehen vorbildlich offen mit den Grenzen der Studie um. Mit 31 Teilnehmenden ist die Stichprobe klein — eine Folge der echten Seltenheit von Personen, die sowohl eine qualifizierte NTE als auch eine klassische psychedelische Erfahrung erlebt haben. Das retrospektive Selbstberichtsdesign bringt unvermeidliche Gedächtnisverzerrungen mit sich, und die Möglichkeit, dass die NTE der Teilnehmenden ihre Erwartungen und Rahmung nachfolgender psychedelischer Erfahrungen geprägt hat, kann nicht vollständig ausgeschlossen werden (wenngleich die Tatsache, dass die meisten die NTE zuerst erlebten, dieses Anliegen teilweise mildert). Einige Fragebogenitems waren eigens konstruiert und nicht aus formal validierten Instrumenten entnommen.
Das Fehlen von 5-MeO-DMT-Teilnehmenden ist eine bemerkenswerte Lücke, da das phänomenologische Profil dieser Verbindung — intensive Ich-Auflösung, minimaler visueller Inhalt, überwältigende Einheitserfahrung — möglicherweise enger auf die NTE passt als LSD oder Psilocybin. Künftige Intrasubjektstudien, die 5-MeO-DMT mit NTEs vergleichen, könnten das Bild erheblich schärfen. Die Forschenden benennen auch atypische Psychedelika wie Ketamin und Salvinorin A als vielversprechende Kandidaten für künftige Vergleiche, angesichts ihrer stärkeren Körperlosigkeitsprofile.
Trotz dieser Grenzen stellt diese Studie einen genuinen Beitrag dar. Keine vorherige quantitative Forschung hatte es geschafft, diese Erfahrungen innerhalb derselben Individuen zu vergleichen und damit die konfundierenden Variablen aus Persönlichkeit, kulturellem Hintergrund und Berichtsstil auszuschalten. Der Intrasubjektansatz, kombiniert mit rigoroser bayesianischer Statistik, schafft ein Maß an Evidenzklarheit über die NTE-Psychedelika-Überlappung, das dem Forschungsfeld bislang fehlte.
Das Fazit lautet nicht, dass Nahtoderfahrungen „nur“ psychedelische Reisen sind, oder dass psychedelische Reisen simulierte Tode sind. Es ist präziser und interessanter als das: Beide sind Zugänge zu einem Bewusstseinsbereich, der durch Einheit, Frieden, Licht, Einsicht und eine veränderte Beziehung zu Selbst und Sterblichkeit gekennzeichnet ist. Die Wege divergieren — der eine durch die biologische Krise, der andere durch die Pharmakologie —, aber sie konvergieren auf einem gemeinsamen phänomenologischen Territorium. Zu verstehen, was dieses Territorium ist, wie es entsteht und warum es jene transformiert, die es betreten, ist eine der faszinierendsten offenen Fragen der zeitgenössischen Wissenschaft. Diese Studie setzt einen sorgfältigen, methodisch ehrlichen Schritt in diese Richtung.
QuellenangabeMartial C, Carhart-Harris R, Timmermann C. „Within-subject comparison of near-death and psychedelic experiences: acute and enduring effects.“ Neuroscience of Consciousness. 2024;2024(1):niae033. doi: 10.1093/nc/niae033. PMC11363954.
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